Risiko vs. Konsequenz


Von TobyMcGreen an 6 Dezember 2016 · 0

Oft wird einem in Lawinenkursen lediglich beigebracht, wie man die Lawinensituation an einem bestimmten Ort richtig einschätzen kann. Mit Hilfe des 3x3 von Munter und der Reduktionsmethode kann man zum Beispiel ziemlich gut abschätzen wie hoch die Wahrschiendlichkeit eines Lawinenniedergangs in einem Hang ist, und anhand dessen entscheiden ob man fährt oder eben nicht. Weiteres hierzu findet ihr zum Beispiel in der Beitragsreihe "Abseits der Pisten überleben".

Wie für Sam Smoothy im Video oben, gibt es für mich aber noch einen Aspekt, der von vielen oft vergessen wird. Neben dem Lawinenrisiko, sind die möglichen Konsequenzen eines Lawinenniedergangs der wichtigste Aspekt in meiner Entscheidungsfindung.

Sehe ich also einen Hang mit einer relativ günstigen Lawinensituation, erkenne aber, dass ein unerwarteter Lawinenniedergang meinen sicheren Tod bedeuten würde, so würde ich diesen hang eher meiden. Umgekehrt würde ich einen Lawinentechnisch etwas ungünstigeren Hang vielleicht noch eher befahren, wenn ich sehe, dass ich im Falle eines Lawinenniedergangs gute «Fluchtwege» erkennen kann, oder die Schneemenge keine wirklich Grosse Lawine zulässt.
Ersteres ist zum Beispiel der Fall, wenn hohe Klippen oder enge Rinnen im Spiel sind, während letzteres bei einem weit offenen Feld der fall währe.

Ein vieleicht etwas überspitztes Beispiel für zu grosse Konsequenzen ist die Ostwand des Matterhorns. Ja, ich habe schon leute gesehen die das gefahren sind. Aber mal ehrlich, selbst wenn die Lawinengefahr noch so gering ist, die Konsequenz - auch bei einem Sturz - ist der sichere Tod. Daher würde ich niemals da rein fahren.

Die Ostwand vom Matterhorn
Die Ostwand vom Matterhorn

Ich will damit auf keinen Fall sagen, dass man in ein offenes Feld einfach drauflosfahren sollte. Genau so wenig will ich sagen, dass man niemals oberhalb einer Klippe traversieren darf. Es ist jedoch wichtig, Risiko und Konsequenzen miteinander abzuwägen und seine Entscheidung zu Treffen.

Ich habe hierzu eine Tabelle erstellt in der Risiko und Konsequenz von 1 (für sehr niedrig) bis 10 (für sehr hoch) aufgelistet sind, und zusammen die Gefahr ergeben. Wo ihr eure Entscheidungslinie zieht ist allein eure Entscheidung.

Wie sieht eure Entscheidungslinie aus?
Wie sieht eure Entscheidungslinie aus?

Das wichtigste ist, immer ein genaues Bild von dem zu befahrenden Hang zu haben. Wo sind sichere Stellen zum Anhalten, wo sind die Klippen (wenn vorhanden), wo sind eventuelle Fluchtwege, wo sind meine Partner und vorallem wo bin ich? Wenn ihr all dies wisst, könnt ihr zum einen Lawinen verhindern und zum andern im Falle einer Lawine richtig reagieren. Ein gutes Beispiel von guter Übersicht ist für mich dieses Video, in dem ein Snowboarder eine Lawine auslöst und sofort zu einem sicheren Spot fährt.

Über die Linienwahl und Lawinenprävention lässt sich in diesem Video sicherlich streiten, aber das richtige Reagieren auf die Lawine hat diesem Boarder vieleicht das Leben gerettet.

Zusammenfassung

Wäge immer Risiko und Konsequenz ab. Habe immer einen Überblick über deine Umgebung und versuche stets, so viele Informationen von deiner Umgebung, deinen Mitmenschen und von dir selbst zu erhalten wie möglich. So kannst du die Gefahr zwar nicht komplett eliminieren, aber drastisch reduzieren.

Ride safe, Toby

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