DIY Balance Board zur Saisonvorbereitung


Von -Patrick- an 19 Dezember 2016 · 0

Balance ist für Freerider essentiell und das nicht nur bei Stürzen oder Beinahe-Stürzen. Für wenig Geld könnt ihr euch selbst ein Trainingsgerät basteln, ohne viel Zeit zu investieren. Mit ein wenig handwerklichem Geschick habt ihr ein tolles Trainings-Tool mit variablem Schwierigkeitsgrad. Das Ganze macht dazu noch viel Spaß und verkürzt, neben steigender Fitness und Kontrolle, die Wartezeit auf Schnee und Weihnachten. Macht den Schnee-(Balance)-Tanz und seid bereit für den nächsten PowderAlarm.

Alles eine Frage der ... ?
Alles eine Frage der ... ?

Warum Balance Board?

Allererster Grund: Es liegt kaum oder nur wenig Schnee in den Alpen. Trotzdem ist es wichtig sich für die Saison fit zu halten. In einer Boulderhalle in München bin ich, während Hochdruckgebiet Uwe fleißig die Alpen erwärmt, auf ein solches Balance Board gestoßen. Da mir beim Bouldern meistens ziemlich schnell die Luft ausgeht, habe ich mich länger mit diesem Brett beschäftigt. Ich war ziemlich begeistert und hatte schnell den Plan gefasst dieses einfache Prinzip Zuhause nachzubauen. Bereits in den 70ern hat Hunter Joslin, ein Surfer aus Florida, erste Proto-Typen seines Indoboards entwickelt und mittlerweile weltweit Erfolg damit. Wem die Originale zu teuer sind um es nur einmal auszuprobieren, sollte den Selbstbau, zu einem Bruchteil der Kosten, in Erwägung ziehen.

Bei meinen ersten wackeligen Versuchen damit, konnte ich feststellen, dass nicht nur Kletterer von dieser Übung profitieren. Balance ist ohne Frage extrem wichtig beim Freeriden. Ihr könnt viele Stürze vermeiden, wenn euer Körperschwerpunkt gut über den Ski bzw. dem Board liegt, oder schneller reagieren, wenn unerwartete Schläge von unten (Sharks, Übergänge zwischen Schneearten, uvm.) euch nach vorne, hinten oder zur Seite werfen wollen.

Seht euch mal diese Szene aus Claim (einer meiner persönlichen Favoriten was Skifilme angeht) an. Ohne gute Balance und schneller Reaktion wäre dieser Abflug über ein gewaltiges Cliff wohl weniger glimpflich ausgegangen:

DIY: Bauanleitung

Zurück zuhause habe ich mich erstmal auf Youtube umgesehen, ob es gute Tutorials zum Balance Board Marke Eigenbau gibt. Das Video an dem ich mich orientiert habe seht ihr oben. Ich habe kein extra Video für euch gemacht, denn die Vorlage ist so gut, dass es kaum etwas hinzuzufügen gibt. Da ich Grip-Tape, Schrauben und Lasur noch im Keller hatte, hat mich das Board nur ca. 13 € gekostet. Wer im Baumarkt Glück hat, findet evtl. sogar etwas Passendes bei den Zuschnitt-Resten. Bei mir gab es dort nur Pressspan, daher habe ich mich für zwei neue Buchen-Bretter mit 20 bzw. 30 cm Breite entschieden (Länge meines Boards ca. 65 cm). Ich empfehle euch auf jeden Fall (wie im Video) zwei Bretter zu verschrauben. Es wäre schade, wenn euch das Brett später bricht. Bei der Form könnt ihr euch kreativ austoben, solang ihr von der Mitte weg, beide Seiten gleich zuschneidet. Mir hat die Carving-Form im Video natürlich so gut gefallen, dass ich sie übernommen habe.

Unterseite des fertigen Boards
Unterseite des fertigen Boards

Stopper vermeidet den Abflug
Stopper vermeidet den Abflug

Ihr solltet auch darauf achten an den Enden zwei kurze Stücke quer anzubringen, damit ihr unangenehme Stürze vermeidet. Den nächsten PowderAlarm zu verpassen, weil ihr Zuhause in den Weihnachtbaum geflogen seid wäre doch zu ärgerlich. Die Variante aus der Boulderhalle hatte mittig noch eine dünne Strebe der Länge nach, also mittig von Stopper zu Stopper. Entsprechend war die Holzrolle in der Mitte rundherum mit einer Kerbe versehen (hier findet ihr eine Übersicht der vielen Varianten als Inspiration). Vorteil der Führung: Das Board wird auf der Rolle ausgerichtet und kann sich nicht verdrehen. Ich habe jedoch darauf verzichtet, da ich es in der Praxis nicht wirklich notwendig finde. Dreht sich das Board, lässt es sich meistens auch ohne Absteigen (durch Körperdrehung) wieder mittig auf der Rolle ausrichten. Das Aufbringen von Grip-Tape finde ich eine sehr gute Idee. So habt ihr einen sehr sicheren Stand auf dem Board und könnt es mit Socken, (Ski)schuhen oder auch barfuß verwenden. Kauft nur ein PVC-Rohr, wenn ihr im Baumarkt draufsteigen könnt, ohne dass es sich wölbt. Der Autor des Videos hatte da wohl einen besser sortierten Baumarkt zur Verfügung als ich, daher musste ich mir etwas Anderes einfallen lassen. Mehr dazu jedoch in den Praxis-Tipps.

Warum mit Skistiefeln? Lest die Praxis Tipps
Warum mit Skistiefeln? Lest die Praxis Tipps

Praxis-Tipps

Ich hatte bisher noch nicht viel Zeit mit dem Board zu experimentieren, doch einige Vorzüge fürs Training und ein paar Variationsmöglichkeiten sind mir gleich aufgefallen. Je tiefer ihr in die Hocke geht, desto intensiver wird euer Training. Fangt damit an die Balance in der Mitte zu finden und schwingt dann immer weiter zu den Seiten aus. Ihr könnt auch Schwungbewegungen imitieren und trainieren, indem ihr nicht mehr seitlich denkt, sondern vorwärts. Stellt euch vor ihr seid auf einem weiten Hang im Gelände, oder verbringt eure Übung einfach direkt vor dem Bildschirm und lasst Freeride POV-Aufnahmen laufen.

Das Board hilft euch dabei mehr Kontrolle und Lockerheit im Gelände zu gewinnen. Ich bin kein Skilehrer, aber so viel, dass es wichtig ist im Oberkörper aufrecht und stabil zu bleiben, während die Beine möglichst locker bleiben um auf Unebenheiten im Gelände reagieren zu können ist mir bekannt (korrigiert mich wenn ich danebenliege). Genau das könnt ihr mit dem Board super trainieren.

Die Idee mit den Skischuhen entstand eigentlich nur für das Foto, doch ehrlich gesagt ist es gar nicht so verkehrt. Ihr könnt eure Knöchel nicht mehr abknicken und seid automatisch verleitet die Sohle des Schuhs zu kippen. Vermeidet ihr das werdet ihr merken welche Herausforderung das für eure Bauchmuskeln und die Balance im Oberkörper wird. Zu guter Letzt ist es auch eine tolle Methode um neu gekaufte Skischuhe an den eigenen Fuß zu gewöhnen, bevor es damit auf den Berg geht.

Choose your weapon...
Choose your weapon...

Den Schwierigkeitsgrad der Übung könnt ihr durch die Auswahl der Rolle bestimmen. Je glatter und härter die Oberfläche der Rolle ist, desto schneller müsst ihr reagieren. Je dicker die Rolle, desto schwieriger ist es das Bord zu kontrollieren, wenn ihr euch aus der Mitte bewegt. Seht euch Zuhause um. Ich habe ein abgesägtes Stück Gartenzaun-Pfosten aus dem Baumarkt, ein Nudelholz und eine Thermoskanne getestet. Mein Favorit ist die Kombination aus Skischuhen und der Blackroll (links im Bild). Durch ihre raue Oberfläche hält sich die Abflug-Gefahr trotz Skischuhen in Grenzen.

Weitere Trainingsideen findet ihr übrigens ganz unaufwändig, durch eine kleine YouTube-Reise. Hier noch ein Video zum Abschluss, von Indoboard-Erfinder Hunter Roslin aus den 90ern:

Könnt ihr vielleicht sogar einen Schneetanz auf dem Board aufführen?

Viel Spaß beim sägen, schrauben und balancieren.

Patrick


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