Das Potenzial der Smartphones beim Freeriden


By Willi on 24 January 2016 · 0

Vor 3 Jahren kam große Euphorie auf als die Smartphones für die Lawinenrettung entdeckt wurden. Es klang vielversprechend. Mit einem Arsenal an Sensoren und Sendern wie GPS, Beschleunigungssensoren, Rotationssensoren, Temperatursensoren, Helligkeitssensoren, mobiles Internet, WiFi, Bluetooth und NFC schienen sie prädestiniert für die Lawinensuche zu sein. Noch dazu konnten sehr benutzerfreundliche Apps geschrieben werden, die es auch Laien ermöglichte sein Kamerad punktgenau aus der Lawine zu bergen. Zur Suche müsste der Suchende nur einen Whatsapp-Standort von dem Verschütteten anfragen und die App müsste diesen dann automatisch senden - easy!

Galileo-LawinenFon vom Fraunhofer Institut
Galileo-LawinenFon vom Fraunhofer Institut

Grundlegende Probleme mit dem Smartphone als Sicherheitsgerät

Ganz so einfach ging es leider nicht. Das Smartphone hat einen Akku, der leider meistens eher leer als voll ist. Bei Niederschlag ist es eine Qual auch nur eine SMS zu tippen. Abstürzen kann es auch gerne mal und die Sendestärke der Smartphones ist leider auch begrenzt unter Schnee, ganz geschweige vom GPS empfang.

Alles aus mit der Smartphone-Euphorie also?

Pieps hat mit seinem LVS-Modell Vektor sogar den Versuch gestartet eine GPS-Antenne in ein normales LVS zu integrieren.

LVS mit GPS kombiniert, extrem gute Idee aber hat leider (noch) nicht funktioniert
LVS mit GPS kombiniert, extrem gute Idee aber hat leider (noch) nicht funktioniert

Anscheinend gab es Probleme mit Interferenzen zwischen GPS und LVS Signal, weswegen Piepes alle Geräte im April 2015 wieder zurückrufen ließ und komplett vom Markt genommen hat. Schade eigentlich, denn eine Funktion, die zumindest den letzten ortbaren GPS-Punkt übermittelt, wäre schon sehr hilfreich gewesen um einen Startpunkt für die herkömmliche Suche zu haben.
ABER - auch wenn es am Anfang viele Schwierigkeiten mit der Smartphone-Einbindung gab, haben sich doch ein Paar ernstzunehmende, sinnvolle Einsatzzwecke herauskristallisiert. Neben einem guten Dutzend extrem hilfreichen Apps, gibt es auch einige Systeme bei denen das Smartphone mit Hardware gekoppelt wird und so die Vorteile der intelligenten Taschenrechner genutzt wird.

Avatech ist ein Vertreter neuer Technologie, die sich das Smartphone und auch das Crowdsourcing zu Nutze macht.

Eine Sonde, die beim einstecken in den Schnee den Wiederstand misst.
Eine Sonde, die beim einstecken in den Schnee den Wiederstand misst.

Mit Hilfe einer Sonde an dessen Ende sich ein Kasten mit Display befindet wird extrem simpel, schnell und unaufwändig ein Schneeprofil erstellt und mit Hilfe vom Smartphone ins Netz gestellt. Normalerweise braucht man für eine ordentliche Erstellung eines Schneeprofils viel Zeit und Know-How. Noch schlimmer aber, die Information steht dann nur der Gruppe zur Verfügung, die das Profil erstellt haben. Durch die neue Technologie werden ersten mehr Profile erstellt, und sie werden jedem zur Verfügung gestellt. Daraus kann man sich ein viel umfassenderes Bild der Lawinensituation machen und seine Entscheidungen genauer und damit sicherer fällen.

{Präzise Ergebnisse
}

Diese Technologie ist sicher nicht primär für den Normalo-Freerider gedacht, allein schon wegen dem stolzen Preis von 1799€. Aber Vereine, Verbunde und nicht zuletzt die öffentlichen Lawinenprävenzionseinrichtungen können denke ich extrem von dieser Entwicklung profitieren und das Freeriden damit für uns alle sicherer machen. Die Daten stehen übrigens jedem frei zur Verfügung auf der eigens erstellten Platform Avanet.

Das bald erhältliche Pieps Micro hat von den Smartphones gelernt. Erstmal ist es deutlich kleiner geworden und wiegt nur noch 150g.

{Das kleinste 3-Antennengerät bisher
}

Aber es hat auch ein Paar Smartphone-ähnliche Features. Es vibriert beim Erstempfang und alarmiert den Nutzer zusätzlich, was in einer für die meisten wahrscheinlich panischen Situation nicht verkehrt ist. Mit einem Helligkeitssensor erkennt das neue Pieps ob es noch verstaut unter den Klamotten auf Senden geschaltet sein soll, oder ob es herausgeholt am Tageslicht automatisch auf suchen umschalten soll. Damit wird das Gerät noch intuitiver da es auf einen Knopf zum Umschalten verzichten kann. Ich schätze mal für Spezialisten, die auch damit rechnen müssen ihr Gerät bei Nacht einzusetzen wird es einen manuellen Modus geben, sonst gäbe es da wohl ein Problem. Es ist intelligent geworden. Wird die Sendeantenne durch ein Gegenstand wie Handy gestört, schaltet es automatisch auf eine andere Antenne um. Extrem sinnvoll, da heutzutage jeder ein Handy dabei hat und ganz sicher nicht von der Regel weiß, dass man es im Sendemodus mindestens 20cm von dem LVS Gerät haben soll und sogar 50cm in Suchmodus. Ein letztes Schmankerl ist die Konfigurierbarkeit über das Smartphone per Bluetooth. Vermutlich kann nur dadurch auf einen weiteren Knopf verzichtet werden. Und Besser zu bedienen ist das Gerät dadurch sicher auch. Einziger Wehrmutstropfen: Das kleine Pieps erreicht mit 40m nicht wirklich die Empfangsreichweite seines großen Bruders von 60m.

Ein weiteres Smartphone-basiertes System, dass beim Freeriden große Dienste leisten kann ist die WePowder-App: PowderQuest

Andorid

iPhone

{Erst die weite Verbreitung der Smartphones hat es möglich gemacht
}

Viele Apps wären auch auf dem PC Zuhause denkbar, wo es einfach bequemer und praktischer ist die Infos direkt in der Hosentasche zu haben. Die „Reports“-Funktion ist aber erst durch die weite Verbreitung von Smartphones möglich geworden. Ist man in den Bergen und sucht den besten Powder in der Umgebung, scrollt man sich am Abend vor dem großen Tag durch die Reports und sucht sich den besten Spot heraus. Hier gibt es jeweils ein Foto mit Neuschneeangabe, dem Verspurtheitsgrad der Hänge, Schneezustand, Windstärke und eine kurze Beschreibung. Die Reports können geliked und kommentiert werden. Durch die Einfachheit des Postens eines Reports durch das Smartphone funktioniert das System. Erst nach Hause zu fahren, ein Bild von der Kamera auf dem PC zu laden und dann zu posten ist völlig unpraktikabel.

Ich denke wir stehen noch relativ am Anfang der Möglichkeiten, die uns die schöne neue Welt des Internets, der Smartphones und des Social Media bietet. Hier ist noch viel Raum für Innovationen, was durch Crowdfunding auch noch befeuert wird. Heute fängt die ISPO in München an. Ich bin gespannt was sich da alles an neuen Technologien und Ideen auftut!


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