FWT: Judging-Regeln erklärt


By -Patrick- on 3 February 2016 · 0

Die Regeln der Freeride World Tour sind nicht ganz einfach, ja sogar ziemlich komplex. Das liegt jedoch am Sport selbst und nicht an der Regelwut der Veranstalter. Um Freeriden zu beurteilen kommen einfach sehr viele Aspekte zusammen, die die Rider selbst, aber auch die Bedingungen am Austragungsort, betreffen. 100 Punkte werde pro Starter vergeben. Eine Minute brauchen die Judges nach dem Run um ihr Urteil zu fällen, doch das Punktependel schwingt schon ab dem Startgate. Lest weiter um beim nächsten Stop in Chamonix genau zu wissen worauf bei der Wertung geachtet wird.

Blick der Jury auf die Rider (c) FWT youtube channel
Blick der Jury auf die Rider (c) FWT youtube channel

Soul-Skiing und Soul-Snowboarding

Wenn Lifestyle-Sportarten zu Wettkampfformaten werden müssen sich die Veranstalter als erstes Gedanken über ein Regelwerk machen. Freeride- Ski und Snowboard ist da kein ganz einfaches Medium. Skirennen gibt es auch im Off-Piste Bereich, das Pitztal Wildface zum Beispiel. Auf der ganz großen Bühne wird jedoch keine Zeit gemessen, zumindest nicht vorrangig. Beim Freeriden kommt eine Vielzahl von Faktoren zusammen. Diese Faktoren mit guten Kriterien zu besetzen, um einen Rider gut zu beurteilen, ist nicht ganz einfach. Wir können nicht einfach eine Linie in der Zeitlupe einblenden und sagen „Uh, die Landung war knapp mit der Schulter im Abseits. Treffer zählt nicht“. Es gibt nicht das direkte Aufeinandertreffen als Gegner, Skistock gegen Skistock. Soul-Skiing und Soul-Snowboarding, dieser Geist schwingt trotz aller medialer Aufmerksamkeit immer noch durch die Knochen der Rider, Veranstalter und Fans. Klar ist aber auch, dass alle mit großem Ehrgeiz bei der Sache sind und sich gegenseitig messen wollen.

Wer Kommentare über Runs bei der FWT zum ersten Mal liest oder hört, ist vermutlich erstmal überfordert, wenn es beispielsweise heißt: „Da hat er bei den Judges mit seinen Power-Turns wieder einiges von seinem Backseat am letzten Drop gut gemacht.“ Die Anglizismen sind beim Freeriden ja schon im Ansatz verwurzelt, aber auch mit gutem Englisch kommt jemand der zu ersten Mal zusieht nicht weit. Da bei der Live-Übertragung in Englisch gesendet wird bleib ich bei den Englischen Begriffen, um nicht mehr Verwirrung als Sinn zu verbreiten. Bei der Bewertung wird auf 5 Kriterien wert gelegt:

  • Line (ist die Line schwierig, besonders einfallsreich, wurden Features ausgelassen?)
  • Air&Style (Sprünge in Anzahl, Höhe, Weite, Kombination und natürlich die Landung)
  • Fluidity (Wird gezögert oder gewartet? Wie passt des Tempo zum Schnee / Gelände?)
  • Control (Hat er/sie alles unter Kontrolle? zu viel Risiko sollen die Judges nicht belohnen)
  • Technique (Wie stehen Rider auf dem Ski/Board? Wie gehen sie mit Sluff um?)

Judging bei der FWT bedarf viel Fingerspitzengefühl
Judging bei der FWT bedarf viel Fingerspitzengefühl

Der knifflige Job der Jury

Die meisten der Wettkampfrichter bei der FWT sind ehemalige Rider und kennen den „express-yourself“-Faktor ihres Sports. Mit 0 bis 100 Punkten ist es an ihnen zu bewerten wie stark der Vortrag des einzelnen Riders war. Dabei geht es darum unterschiedlichen Stil gleichermaßen fair zu beurteilen. Lest den Bericht zum ersten Tourstop 2016 in Andorra und ihr seht welche Unterschiede die Fahrer ausmachen. Mittlerweile hat man sich entschieden die 5 Kategorien nicht mehr einzeln mit Punkten, sondern gemeinsam in „Echtzeit“ zu bewerten.

Als erstes beurteilt die Jury vorab den Wettkampf-Hang (Face) und einigt sich auf Ansätze, wie einzelne Features die wohl von den Ridern angesteuert werden könnten, für jede Kategorie (Ski Men/Women Snowboard Men/Women) zu bewerten ist. Außerdem werden alle Aspekte für die äußeren Bedingungen in Betracht gezogen, darunter Schneequalität, Sicht, usw.). Es gibt immer drei Judges und einen Head-Judge, wobei dieser keine Wertung abgibt, sondern Aufsicht und Unterstützung liefert. Für das Ranking zählt nur der Durchschnitt der anderen Drei. Jeder von ihnen geht beim Start von 50 Punkten, also genau der Hälfte aus. Während dem Run werden Notizen gemacht, jeweils mit entsprechenden Plus- oder Minuspunkten als Konsequenz. Die Notizen richten sich nach den Kriterien, die ihr von weiter oben kennt. Dabei gibt es eine ganze Menge von Abkürzungen, deren Bedeutung ihr hier nachlesen könnt (unter Punkt 5). Nach etwa einer Minute sollten alle ihr Ergebnis abgeben und der Mittelwert wird angezeigt. Jetzt erfahren Rider und Welt welche Platzierung der Run wert war. Ganz interessant ist es auch zu wissen, dass auch ein Fehler am Anfang nicht bedeutet, dass es noch auf 100 Punkte gehen kann. Rein theoretisch natürlich.

Die Jury soll sich übrigens während dem Run so wenig wie möglich gegenseitig beeinflussen, jedoch wird nach dem Run schon auch mal eine Situation gemeinsam mit dem Head-Judge besprochen. Es kann sein, dass einer durchs Fernglas besser erkennen konnte was passiert ist, als sein Sitznachbar, der in dem Moment den Monitor beobachtet hat.
Hoffentlich hilft euch das ein wenig am Samstag, wenn in Chamonix hoffentlich gute Bedingungen für einen schönen Contest vorherrschen!

Patrick

Hier noch ein Video, in dem ihr euch ein paar Judging-Beispiele ansehen könnt:


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