10 Sicherheitsfehler, die wir alle schon gemacht haben


By Willi on 18 February 2016 · 2

###Der weiße Rausch

Wenn wir in den Bergen sind, unsere Freunde sind da, seit langem lässt sich auch mal wieder die Sonne blicken und es ist der erste Tag nach einem epic Dump. 70cm Champagne Powder liegen vor uns. Wir sind so euphorisiert, dass wir nicht mal mehr Drann denken unseren Hosenstall nach der Toilette hochzuzippen...

No Friends on a Powderday

Eine steile, weiße Linie unter perfekten Bedingungen in den Hang zuziehen und sich eine weiße Linie Kokain reinzuziehen haben mindestens eine Gemeinsamkeit: Man vergisst alle Sorgen, alle Gefahren und will einfach nur mehr! Aber wir müssen uns beherrschen, wir müssen lernen und trainieren uns auch in den euphorischsten Momenten an all die Sicherheitsvorkehrungen zu denken, die unser Sicherheitsnetz bilden - Unser Sicherheitsnetz zwischen „Best day of my life“ und Tod...

Der weiße Rausch übernimmt
Der weiße Rausch übernimmt

Ich wette mit euch 8 dieser Fehler habt ihr auch schon irgendwann mal gemacht. Es sind zwar teilweise nur Kleinigkeiten. Aber manchmal können es die entscheidenden Kleinigkeiten sein. Ich liste sie nochmal auf, dass bei uns hoffentlich beim nächsten Stoke irgendwo im Gehirn ein rotes Lämpchen angeht und sagt: „F***, das hätte ich fast vergessen!“.

No.1 LVS-Geräte untereinander nicht gecheckt

Der Klassiker. Im Auto: „Wir müssen gleich noch den LVS-Check auf dem Parkplatz machen.“. 30 Minuten später in der Gondel: „Shit! Naja machen wir wenn wir oben sind.“ Am Ende der ersten Line: „Arrghh, ok unten am Lift!“....Wo garantiert nie jemand drann denkt ist wenn Langerwartete Freunde zu der Gruppe stoßen oder sich die Gruppen durchmischen und sich anschließend wieder gemischt splitten. Plötzlich ist man mit Partnern unterwegs mit denen mein keinen LVS Check gemacht hat, auch wenn jeder am Morgen drann gedacht hat.

Das ist vermeidbar
Das ist vermeidbar

No.2 LVS-Selbsttest nicht kontrolliert

Wo garantiert jeder schon mal nicht drauf geachtet hat ist der LVS Selbsttest. Er zeigt unter anderem an ob alle Antennen funktionsfähig sind, Neigungssensoren funktionieren und genug Saft vorhanden ist. LVS-Geräte sind grundsätzlich robust, aber harte Erschütterungen können die Antennen beschädigen. Ein 3-Antennen-LVS kann auch mit einer defekten Antenne gefunden werden, besteht also den LVS-Gruppentest. Bei der Suche mit solch einem defekten Gerät sind aber wahrscheinlich 95% von uns aufgeschmissen, da man dann unter Umständen auf den analogen Modus wechseln müsste. Ein super Tipp den mir einmal mein Mentor gegeben hat um zu überprüfen ob meine Freerideschüler auf ihren Selbsttest zu achten: Man fragt seine Partner nach dem Anschalten wieviel Prozent die Batterien noch haben. Mogeln ist damit ausgeschlossen ;)
(Er hat mich damals auch damals gekriegt)

No.3 Smartphone nicht weit genug vom LVS

Viele haben davon schon gehört, aber die wenigsten wissen wie sie es umsetzen können, oder ignorieren es einfach in der Hoffnung „Wird schon nicht so schlimm sein“. Smartphones, Mp3-Player und sämtliche elektronischen Geräte müssen mindestens 20cm vom LVS weg sein! Im Suchmodus müssen es sogar 50cm sein, also am besten ausschalten. Es kommt sonst zu Störungen, wie wir sie aus dem Autoradio kennen wenn wir das Handy in die Nähe legen. Nur das diese Störungen nicht nervig sind, sondern tödlich...
Erstaunlicherweise schneidet ein iPod bei einem Praxistest am schlechtesten ab.

No.4 Airbaggriff nicht aktiviert

Eben im Lift eingeklappt, oder bei der Mittagspause abgenommen... Ich möchte nicht das Magen-in-den-Kniekehlen-Gefühl erleben, was man wohl haben muss, wenn man im Ernstfall ins Leere greift... Ich lass meinen Griff über den gesamten Skitripp aktiviert. Lieber eine Fehlauslösung zu viel, als eine entscheidende Auslösung zu wenig.

No.5 LVS über Nacht angelassen und Batterien verbraucht

Ist zwar nicht gleich fatal, aber kann auf einer Mehrtagestour schon zu Problemen führen. Einfache Abhilfe für Gruppenführer (womit mich mein Mentor diesmal nicht gekriegt hat): Abends auf dem Flur nach „Verschütteten“ suchen.
Bei längeren Touren nehme ich ein Satz extra Batterien mit, falls jemand seine vergessen hat.

No.6 LVS bei der Mittagsjause ausgemacht

Habe ich schon oft miterlebt. Den wenigen Strom, den man spart lohnt nicht das Risiko einzugehen nicht drann zu denken, wenn’s wieder auf den fluffigen Spielplatz geht.

Es ist es einfach nicht wert
Es ist es einfach nicht wert

No.7 Notrufnummer nicht abgespeichert

Es gilt zwar in ganz Europa und übrigens auch in den Staaten die Nummer 112. Es gibt aber einige lokale Nummern, die einen schneller an die richtige Stelle leiten, darauf würde ich wetten. Am besten du speicherst dir diese Nummern jetzt einfach direkt in dein Handy, dann kannst du sie nie mehr vergessen.

No.8 Nicht informiert wo man eigentlich ist

Bei einem Notruf ist es immens wichtig zu wissen wo die Rettungskräfte hinkommen müssen. „In Mayrhofen im Skigebiet“ reicht da nicht. Ein Pistenplan ist super um den nächsten Lift zu bennen. Beim Freeriden sollte man den nächsten Gipfel mit Namen kennen und wissen in welcher Exposition man unterwegs ist (sollte man eh wissen).
GPS-Koordinaten aus einer Notruf-App wie z.B. die von Outdooractive können helfen. Ich habe aber auch schon die Erfahrung gemacht, dass die Rettungsstelle lieber den Liftnamen wollte als GPS-Koordinaten. Macht Sinn wenn der erste Helfer, der losgeschickt wird das Liftpersonal ist.

No.9 Niemandem Bescheid gesagt, wo man ist

Ok, dieser Punkt ist nicht unbedingt zwingend, aber wenn man Glück hatte, noch eine Mitfahrgelegenheit in seiner Powder-Community ergattert hat und jetzt mit Leuten unterwegs ist, die man bisher nur aus dem Internet kannte, dann wäre es gut jemandem Daheim bescheid zu sagen, wo denn der Trip hingeht. Deine Leute Zuhause haben sicher nicht alle Telefonnummern deiner neuen Powderbuddies.

No.10 Bei der Einschätzung der Hangneigung nicht den ganzen Hang betrachtet

Bei Lawinenabgängen gibt es meistens einen Hotspot, an dem das Brett anbricht. Das ist nicht zwangsläufig der Ort, wo du dich gerade befindest. Die Schneedecke kann bei schlechten Bedingungen Spannungen über weite Distanzen übertragen und diese können auch in Teile des Hanges hineinragen, die Steiler sind als der Hang direkt vor dir. Alle Lawinenpräventionsmethoden, die ich kenne geben vor ab Lawinenstufe 3 den gesamten Hang zu betrachten und dort die steilste Stelle als Maßgabe zu verwenden. Hast du das wirklich immer beachtet? Oder war es meistens doch nur die unmittelbare Umgebung der gezogenen Line?

Also, beim nächsten Trip denkt an das rote Lämpchen im Kopf nech? Ich werds auch versuchen wenn der weiße Rausch ruft ;)

Carpe Shreddem,

Willi

PS: Wenn ihr noch mehr lernen wollt, zieht euch unsere Safety Academy rein.

Comments


  • TobyMcGreen
    Expert
    TobyMcGreen op 18 February 2016 · 19:50
    Super Beitrag! Ich habe mich auch schon dabei erwischt, wie ich den ABS Griff in der Gondel gesichert hab und danach vergessen habe, ihn wieder zu entsichern. Muss mir auch angewöhnen ihn am Morgen zu entsichern und erst Abends zu sichern.
    Champagne Powder, quite possibly the closest thing to the use of illegal drugs!
  • MattWe
    Advanced
    MattWe op 25 February 2016 · 12:39
    Schöner BEitrag Willi, da sind ein paar schöne tücken dabei

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