Das ewige Auf und Ab im Leben eines Powderjunkies


By TobyMcGreen on 29 February 2016 · 0

Es gibt wohl kaum eine Sportart, bei der man mehr Entscheidungen treffen muss, kaum eine Sportart, bei der Euphorie und Enttäuschung, Erfolg und Misserfolg so nahe beisammen liegen wie beim Freeriden.

Wir sehen uns stundenlang Wetterberichte an, lesen hunderte von Reiseberichten, planen oft tagelang den perfekten Trip. Wo gibt es am meisten Schnee? Wo ist der Powderstress am geringsten? Krieg ich noch spontan frei? Mit diesen Fragen schlagen wir uns im Winter tagtäglich umher. Auf der Arbeit halten uns alle für verrückt, weil wir alle 2 Minuten das Wetter checken und Webcams anschauen. Und der Chef weiss schon ganz genau was wir wollen, wenn wir mit Hundeblick in sein Büro kommen.

Oft werden unsere Bemühungen mit epischen Rides und atemberaubenden Bildern belohnt, die sogar die verständnislosen Bürokollegen vor Neid erblassen lassen. Nicht selten kommt es aber auch vor, dass wir eine Stundenlange Reise auf uns nehmen, nur damit innert einer Stunde alles zerfahren ist, oder es doch nicht so viel Schnee gibt wie vorhergesagt.

Jackpot...
Jackpot...

...oder Kackpot?
...oder Kackpot?

Aber genau das ist es doch, was unseren Sport so speziell macht. Wir können zwar alles durchplanen, aber die Natur spielt in diesen Plänen nicht immer mit. So ist es jedes Mal aufs Neue ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang und umso grösser ist die Freude, wenn ein Plan aufgeht.
Dieses Wochenende war für mich ein Spiegelbild dieses Auf und Abs.

Mein ursprünglicher Plan war es, am Freitag nach Frabosa Soprana zu reisen, Samstag und Sonntag zu Powdern, und am Montag zurück zu reisen.
Dann kam aber am Donnerstagnachmittag eine Einladung ins Lötschental von einer unbekannten rein geschneit. Da es immer gut ist, neue Leute kennen zu lernen und auch der Wetterbericht fürs Lötschental vielversprechend war, entschied ich mich spontan zu zusagen.

Und das war genau einer dieser goldrichtigen Entscheide. Ich hatte mit Petra einen der besten Powdertage der ganzen Saison. Bluebird und 40cm Blower Pow!

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Der perfekte Tag!
Der perfekte Tag!

Um 3 Uhr Nachmittags fuhr ich weiter Richtung Piemont. Voller Vorfreude fuhr ich nach Frabosa Soprana, nur um festzustellen, dass alles grün war. Ich hatte mich von den unglaublichen Schneeprognosen von über 2 Metern blenden lassen, und nicht beachtet, dass gar keine Base vorhanden war (Morris hatte noch davor gewarnt). Der nächste Morgen war ähnlich ernüchternd. Es gab lediglich ein paar cm Neuschnee und die Lifte liefen wegen zu wenig Schnee nicht. Der Optimismus kam aber mit dem immer stärker werdenden Schneefall langsam wieder zurück. Und als mir der Hotelier erzählte, dass Morgen (Sonntag) die Lifte nur für Freerider geöffnet werden, war der Stoke wieder voll da.

Und am nächsten Morgen BÄMMM! Ein halber Meter Neuschnee im Dorf und ein ganzer Meter oben am Berg. Der Stoke geht durch die Decke und ich eile zum skilift. Doch dann der Schock. Ich bin bei weitem nicht der einzige der diesen Plan hatte und es bildet sich eine Schlange vor dem Sessellift.
„Na toll“ denke ich mir, „in einer Stunde wird an dem kleinen Berg alles zerpflügt sein“.
Aber weit gefehlt. Da die Pisten nicht Präpariert wurden gibt es endlos Platz für Powderturns und der Spass kann beginnen.

PowPow
PowPow

Nach wenigen Rides macht uns aber bereits wieder die Natur ein Strich durch die Rechnung. Die Temperaturen steigen Dramatisch an und im Tal beginnt es sogar zu Regnen.
Somit entscheide ich mich doch schon am Sonntag heim zu fahren und spare mir den freien Tag am Montag für das nächste nervenaufreibende Abenteuer auf.

Ich bin also insgesamt 16 Stunden Zug gefahren für ein Paar Schwünge im Powder. War es das wert? Nun, es war bestimmt besser, als zuhause rum zu sitzen und zu sagen „das kannst du sowieso vergessen“. Wenn ich bei 10 versuchen nur 5 mal richtig liege, Liege ich immer noch 5 mal öfters richtig als der, der es gar nie versucht hat.

Auch wenn nicht immer alles nach Plan läuft gibt es in jedem Trip etwas Positives. Man lernt neue Leute kennen, kann ein neues Skigebiet für den nächsten PowderAlert auskundschaften oder man muss zumindest nicht Arbeiten.
Also geht das Risiko ein, hört nicht auf die Leute die euch für Spinner halten und zieht euer Ding durch. Das Leben wird es euch mit unvergesslichen Momenten Danken.

Good times with good friends!
Good times with good friends!

Und etwas Positives hat so eine ewig lange Zugfahrt auch. Man hat Zeit, einen Wepowder Artikel wie diesen zu schreiben.

Ride safe, have fun and stay stoked!
Toby


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