Der Lawinenlagebericht - viel mehr als nur die Gefahrenstufe!


By Erwin on 15 March 2016 · 0

Beim Offpiste Skifahren-Boarden oder Touren können wir eigentlich nicht verzichten auf die Lawinenlageberichte. Letztendlich wollen wir alle ja verantwortungsvoll Riden. Aber wie bekommt man noch mehr wichtige Info aus diesen Berichten? In diesem Beitrag werde ich versuchen euch damit zu helfen. Wenn ihr regelmäßig einen Lawinenlagebericht lest, dann habt ihr wahrscheinlich schon bemerkt dass es in einer bestimmten Struktur aufgebaut ist. Zuerst erkläre ich diese Struktur, danach informiere ich euch über die einzelnen Elemente.

Hierunter seht ihr zwei Bilder, eines ist ein Lawinenlagebericht aus der Schweiz, der Andere kommt aus Tirol/ Österreich. Die Struktur ist fast identisch. bis auf dem Unterschied, dass Tirol eine Prognose für den Morgen und Nachmittag darstellt und der Schweizer Bericht nur für einen Tag prognostiziert.

Lawinenlagebericht Schweiz
Lawinenlagebericht Schweiz

Lawinenlagebericht Tirol
Lawinenlagebericht Tirol

Die Pyramide zeigt die Struktur des Aufbaus eines Lawinenlageberichtes. Die Farben stellen die Elemente dar. Ganz oben steht die Gefahrenstufe, und darunter die weiteren Elemente mit Detailinformationen.

Struktur Lawineberichtes; die Informationspyramide © frozenlines.com
Struktur Lawineberichtes; die Informationspyramide © frozenlines.com

Kurz eine Beschreibung der verschiedenen Elemente:

  1. Gefahrenstufe.
    Was sofort ins Auge fällt ist die Gefahrenstufe. Angegeben mit einer Farbe oder Zahl.

  2. Was ist das Problem?
    Nach der Gefahrenstufe wird meistens kurz das Hauptproblem beschrieben

  3. Wo ist das Problem?
    In welchen Teilen vom Gelände ist die Gefahr besonders kritisch, auf welcher Höhe und mit welcher Hangneigung?

  4. Beschreibung und Beurteilung
    Mehr Details über die Gefahr

  5. Aufbau der Schneeschichten
    Wie sind die Schneeschichten aufgebaut und was bedeutet es für der herrschende Gefahr?

  6. Wetter
    Was machen die Temperatur, der Wind und Niederschlag? und was wird Weiteres erwartet?

  7. Prognose
    Wie entwickelt sich die Lawinensituation?

1. Gefahrenstufe

Für mich ein wichtiges Thema, da die meisten oft nicht weiter lesen als die Gefahrenstufe. Jedoch ist es sehr wichtig um genau zu wissen was diese Gefahrenstufe wirklich bedeutet. Der Lawinenwarndienst beschreibt die Gefahrenstufe die in einer bestimmten Region herrscht. Das bedeutet aber nicht immer das Gleiche für jeden Hang. Die Gefahrenstufe ist also unterschiedlich von Hang zu Hang.

Die Gefahrenstufe wird auf einer Skala von fünf Stufen angezeigt:

Die 5 Gefahrenstufen © frozenlines.com
Die 5 Gefahrenstufen © frozenlines.com

Wie höher, desto

  • Instabiler die Schneedecke
  • Mehr Gefahrenstellen und Schwachschichten
  • Grösser die Auslösewahrscheinlichkeit
  • Mehr und grösser sind die Lawinen

Wie bezieht sich das Lawinenrisiko auf die Gefahrenstufe

Die Lawinengefahr ändert sich nicht schrittweise sondern dieses passiert durch einer kontinuierliche Steigung. Das bedeutet dass Lawinengefahren nicht konstant auf dem gleichen Niveau bleiben. Am Ende eines Niveaus ist die Lawinengefahr fast auf der selben Ebene als am Anfang des neuen Niveaus. Die Lawinengefahr verdoppelt sich zwischen zwei aufeinander folgenden Lawinenniveaus. Dargestellt in dieser Abbildung:

Lawinengefahr vs. Gefahrenniveau © frozenlines.com
Lawinengefahr vs. Gefahrenniveau © frozenlines.com

Auf diesem Bild ist zu sehen, dass die Gefahr sich verteilt bei einem höheren Risiko. Die Bandbreite der Gefahr erhöht sich mit zunehmendem Risikoniveau. Zum Beispiel ist die Bandbreite in Gefahrenstufe 3 größer als die Bandbreite der Stufe 1 und 2 zusammen! Darum ist es sehr wichtig zu wissen, wo die Stufe genau gilt. Zum Beispiel am oberen Teil der Gefahrenstufe 3 wird meistens “ angespannter 3er “ genannt. Wenn zum Beispiel am vorherigen Tag Stufe 4 herrschte, dann sind die Grenzen für die jetzige Stufe 3 anders zu interpretieren.
Also wie bereits erwähnt, ist die Lawinengefahr nicht bei jeder Steigung gleich. Wichtig ist mehr zu wissen über das zugrunde liegende Problem. Das könnt ihr durch diese Fragen zu beantworten.

  • Was ist das Problem?
  • Befindet dieses Problem sich in meiner Region?

Diese Informationen sind zusätzlich sehr nützlich bei eurer Entscheidungsstrategie. Dieses führt zu mehr Sicherheit und vielleicht auch mehr Spielraum beim riden. Aber das Verfahren der Elementairen Reduktionsmethode ist nicht in allen Situationen der optimale Tool. Zum Beispiel bei eine dicke Schicht Triebschnee in einem steilen Hang, könnte die Reduktionsmethode sagen ja: aber ob es eine kluge Wahl ist? nein.
Glücklicherweise helfen die Lawinenlageberichte uns mit der Beantwortung dieser Fragen.

2. Was ist das Problem?

Ein paar Monate bekamen die Österreichischen Lawinenlageberichte Neue Symbole
Im jeden Fall müssen wir die Signale die Mutter Natur uns gibt, nicht nur beobachten aber richtig interpretieren anstatt nur
die Zahlen und Fakten der Lawinenlageberichte zu lesen. Ein Bergführerkollege hat einmal gesagt: ”Wir haben fast alle die gleichen Augen bekommen um die Sachen zu sehen, das bedeutet, dass wir im Grunde alle das Gleiche sehen. Daher sind wir in der Lage um bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen.Zum Beispiel, wenn es Triebschnee Probleme gibt, und es hängt ein dicker Nebel, dann sind die Triebschnee Signale nicht mehr gut zu erkennen. Eure Pläne für den Tag könnt ihr dann besser ändern.

3. Wo ist das Problem?

Der Lawinenlagebericht informiert euch über: wo die Probleme sich befinden könnten und an welchen Stellen die Lawinengefahr Aufgrund der Hangneigung am kritischten ist. Der kritische Höhenbereich wird mit einem Symbol von einem Berg beschrieben, wo der kritische Teil geschwärzt ist. Entweder oberhalb einer bestimmten Höhe oder eine ganze bestimmten Höhe. Dies wird zum Beispiel mit dem Satz "Gefährdetster Höhenbereich oberhalb 2000 Meter" beschrieben.

Die kritischen Hangneigungen werden mit einer Windrose markiert. die schwarze Markierungen bedeuten die kritischen Hangneigungen.
Denkt daran dass die Natur keine Schwarz- und weiße Grenzen markiert, aber dass es fließende Übergänge zwischen kritische und nicht kritischen Teile des Geländes sind. Für die Höhe gilt ± 200 m, für die Hangneigung ± 1/16 und für der Windrose (± 22,5 °).

**Aufgepasst! eine geringere Gefahrenstufe an den Stellen ausserhalb der kritischen Gebiete ist keine offizielle Regel. Für Einige wird es als Faustregel verwendet, aber es darf nie und nimmer deine eigene Beobachtungen ersetzen.

4 Beschreibung / Beurteilung

Hier wird weiter ausführlicher in Worten beschrieben, was die ausgegebene Gefahrenstufe genau bedeutet. Kleine Details sind ganz wichtig. Die herrschende Problematik oder herrschenden Probleme an welchen Hängen werden hier weiter beschrieben und zusätzlich wird eine die Auslösung Möglichkeit Analysiert.

5 Schneedecke

Ein sehr interessantes Stück, welches man oft vergisst zu lesen.
Vielleicht ist es jetzt eine schwierige Materie für dich, aber jedoch ist es eine gute Change zu erfahren warum das Problem entsteht.
Und damit ist es einen Gratis Vortrag in der Schnee-und Lawinenkunde.

6. Wetter

Hier könnt ihr mehr über das Wetter den vorherigen Tag und die Prognose für den aktuellen Tag lesen. Zusätzlich wird
häufig festgestellt, was auf verschiedenen Höhen geschieht.

7 Erwartung

Die erwartete Entwicklung der Lawinengefahr mit den möglichen Gründen werden hier kurz beschrieben.

Viel Erfolg beim lesen!

Literaturliste

  1. wePowder Safety Academy Module II, (2014-2016)
    link

  2. Salomon Mountain Academy Course II, (2014-2016)
    link

  3. Stephan Harvey et al.. Lawinenkunde Bruckmann Verlag GmbH (2014)

  4. Christoph Mitterer. Der Lawinenlagebericht - eine unverstandene Liebe? Berg und Steigen 93, 62-67 (2016)
    link

  5. A. Studeregger et al.. Arbeiten mit Symbolen Berg und Steigen 93, 68-73 (2016)
    link

  6. WSL Institut für Schnee und Lawinenforschung SLF. Lawinenbulletins und weitere Produkte. Interpretationshilfe. (2015)
    link

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