Der perfekte Sturm analysiert


By meteomorris on 15 November 2017 · 0

Am 5. November hat ein perfekter Sturm die Alpen beglückt. Etwas wirklich außergewöhnliches passierte, denn dieser Sturm namens Karl hat nahezu die gesamten Alpen mit Neuschnee versorgt. In diesem Artikel analysieren wir Sturm Karl und erklären warum es wirklich ein perfekter Sturm war.

Ein einzigartiger Sturm

Die Alpen haben eine ganz besondere Form. Durch viele Gebirgszüge lässt sich eine gerade Linie ziehen, nicht so bei den Alpen. Die Pyrenäen laufen beispielsweise in einer geraden Linie von Westen nach Osten. Die Rocky Mountains, die Anden, und die japanischen Alpen verlaufen weitestgehend geradlinig von Norden nach Süden. Die Alpen sind anders. Es gibt beide Linien von Osten nach Westen und von Norden nach Süden, wie die Form eines Hockeyschlägers.

Normalerweise kommen Stürme aus einer Richtung, dann schneit es auf dieser Seite des Berges (Stau), während auf der anderen Seite starker Wind weht (Föhn). Ein Nordstau sorgt auf der Nordseite des Alpenhauptkamms für große Niederschläge und Schneefälle. Auf der Südseite der Alpen schneit es dann überhaupt nicht. Das gleiche gilt für den Retour d'Est, wo es im italienischen Piemont stark schneien kann, während es hinter der Grenze nach Frankreich nicht schneit (Der Sturm wird schlichtweg von den hohen Bergen, die die Grenze ausmachen blockiert). Karl war aus dem Grund so besonders, weil es in den gesamten Alpen geschneit hat.

Wir haben auf unseren Karten große Schneemengen vorhergesagt was, mit Ausnahme der französischen Südalpen, auch genauso eingetroffen ist. Dort kam der Sturm mit zu großer Wärme an und bewegte sich zu schnell.

Sturm Karl brachte viel Schnee
Sturm Karl brachte viel Schnee

Was war so besonders an Karl?

Zunächst war Karl gar kein besonderer Sturm. Karl kam als langsamer Sturm von Westen her an der spanisch-portugiesischen Küste an. Karl wurde mit wärmerer Luft aus Süden und von Norden mit milder Luft vom Atlantik her genährt (erstes Bild unten). Durch ein Hochdruckgebiet über dem Atlantik wurde Karl dann nach Osten geschoben. Über dem spanischen Festland angekommen, erweckte Karl den Eindruck das Zeug dazu zu haben kalter Luft aus Norden die Tür zu öffnen. Eine heftige Sturmfront nahe Islands schickte kalte Luft nach Süden. Gleichzeitig bewegte sich Karl auf das Mittelmeer zu, wodurch er kalter Luft ermöglichte einzuströmen (das zweite und dritte Bild). Karl saugte kalte Luft aus Norden an und wurde gleichzeitig mit warmer Luft aus Süden und Feuchtigkeit aus dem Mittelmeer angereichert. Ein Genautief war geschaffen (viertes Bild).

Es schneite in den Alpen in einer Reihe von Schritten:

  1. Zuerst streifte Karl die französischen Südalpen. In der Nacht von Samstag auf Sonntag zog eine Front mit relativ warmer Luft über die französischen Südalpen und brachte oberhalb von 2100 m 10-20 cm Neuschnee. Gleichzeitig begann es am Sonntagmorgen auf der Südseite der Alen zu schneien.
  2. Kalte Luft erreichte die französischen Nordalpen und es begann dort zu schneien.
  3. Die Alpen steckten in einer Art Schnee-Sandwich. Warme Luft traf von Süden auf die Alpen und es begann kräftig zu schneien. Zur selben Zeit drehte der Wind auf der Nordseite der Alpen auf Nord-Nordost, die Wolken waren eingekesselt und es schneite an der Grenze Österreich-Italien. Am Stubaier Gletscher fielen spektakuläre 100 cm Neuschnee in weniger als 24 Stunden.

Zu diesem Zeitpunkt schneite es in den kompletten Alpen (mit einer Ausnahme). Normalerweise profitiert das italienische Piemont nie von einem solchen Schnee-Sandwich. Das liegt daran, dass Stürme dazu neigen von Westen nach Osten zu ziehen. Da Karl allerdings zwischen Hochdruck im Westen und Hochdruck über Russland eingeklemmt war, konnte der Sturm in keine Richtung ausweichen. Er bewegte sich gar nicht und eine Ostströmung kam auf.

  1. Und dadurch entstand der 'Retour d'Est'. Es schneite von Monat 6. November bis Freitag 9. November. Der Retour d'Est brachte einen Meter Schnee in das italienische Piemont. Karl hat überragende Arbeit geleistet und die gesamten Alpen mit Schnee versorgt.

Schnee im Piemont
Schnee im Piemont

Unterlage für den Rest der Saison

Sturmzyklus Karl brachte zwischen dem 4.-9. November 2017 oberhalb von 2000 m im Durchschnitt 20-60 cm Neuschnee, gebietsweise sogar 100 cm. In weiten Teilen der Alpen hat sich dabei oberhalb der Baumgrenze die Unterlage für den Rest der gesamten Saison gebildet. Das gilt ganz besonders für die Nordalpen, wo es am Wochenende vom 10.-13. November nochmal schneite.

Von Föhn zu Stau in nur wenigen Minuten

Die 100 cm Neuschnee die hochalpin in Österreich gefallen sind verdienen besondere Aufmerksamkeit. Unten seht ihr die Daten einer Messstation in der Nähe des Stubaier Gletschers. Der rote Pfeil ist entscheidend Von oben nach unten erkennt ihr: Dicke der Schneedecke, Lufttemperatur, Windgeschwindigkeit und Windrichtung. Im Verlauf des Sonntagnachtmittags/-abends des 6. Novembers fällt der Wind (roter Pfeil) plötzlich ab, dreht von Süd auf Nord, die Temperatur fällt um zehn Grad ab und es beginnt kräftig zu schneien.

Die Erklärung findet ihr auf der Druckverteilungskarte unten. Die Nordalpen und somit auch die hochalpinen Lagen in Österreich, hatten es zunächst mit Föhnwinden aus Süden zu tun. Der rote Pfeil erzeugt einen warmen und stürmischen Wind. Durch die einströmende Kaltluft wurde die warme Luft verdrängt, der Wind beruhigte sich, die Strömung drehte plötzlich nach Norden (bzw. sogar Osten, blaue Pfeile) und die Wolken hingen fest. Die relative warme Luft beinhaltete große Mengen Feuchtigkeit, konnte nicht entweichen und all die Feuchtigkeit wurde in Form von Schnee abgegeben.

Und so wurde Karl zum perfekten Sturm. Lasst uns hoffen, dass er die Alpen noch ein paar mal besucht in diesem Winter!


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