PA #2: Bis zu 150 cm Schnee. Was passiert mit den Nordalpen?


Par meteomorris sur 19 décembre 2016 · 0

Es hat heute Morgen im italienischen Piemont begonnen zu schneien. In den nächsten 72 Stunden bestimmt ein aktiver Sturm, vom Mittelmeer her, das Wetter der Gebiete an der italienisch-französischen Grenze, sowie im Piemont. Ihr könnt mit 50-150 cm Neuschnee rechnen, bei langsam ansteigender Schneefallgrenze. Dieser Sturm beschert und am Mittwoch, Donnerstag und Freitag drei tolle Powdertage. Es besteht die Chance, dass die Nordalpen an Weihnachten etwas Schnee abbekommen, doch Schneemenge und Schneefallgrenze verstecken sich noch hinter großen Fragezeichen. Heute in der Vorhersage:

  • Es schneit im Piemont
  • Viel Schnee in den nächsten 72 Stunden
  • Was sind die Folgen einer langsam ansteigenden Schneefallgrenze?
  • Mittwoch, Donnerstag und Freitag werden Powdertage
  • Schnee für die Nordalpen an Weihnachten?

Es schneit im Piemont

Es ist jetzt drei Wochen her, dass es in den Alpen das letzte Mal nennenswert geschneit hat. Ein Monster-Sturm hat hochalpin bis zu 2-4 m Schnee in Norditalien fallen lassen und vielerorts zu Überflutungen geführt. Und jetzt schneit es wieder im Piemont. Seht euch die Radarbilder vom heutigen Morgen an, da schneite es bereits kräftig in den Bergen oberhalb von Genua. An der Küste kommen die Niederschläge als Regen (grün) herunter, während es zu schneien beginnt, wenn man die Mittelmeerküste verlässt. Die Schneefallgrenze schwankt derzeit zwischen 100-300 m über dem Meeresspiegel, um weiße Landschaften zu sehen bedarf es also nur einem kurzen Trip Richtung Berge.

Radar Piedmont
Radar Piedmont

Im Moment ist die Front in der italienischen Po-Ebene präsent, gegen Abend (dank der Ost-Südost-Strömung) drückt die Front jedoch gegen die Berge und überlädt diesen Teil der Alpen mit Schnee.

Viel Schnee in den nächsten 72 Stunden

Wie so oft in den Südalpen, zieht auch dieser Sturm alles andere als unbemerkt vorüber. Der „Retou d’est“ oder auch „Genua-Tief“ bringt immer vielseitige Stürme hervor. Sie kommen wann es ihnen passt, sind voller Überraschungen und liefern in kurzer Zeit viel Schnee. Das gilt auch für diesen Sturm. Die Kombination aus Feuchtigkeit vom Mittelmeer und der Adria, sowie die Feuchtigkeit aus der italienischen Po-Ebene prallt in den nächsten Stunden auf die Alpen. Auf nur 20 Kilometern Distanz wird diese Feuchtigkeit gezwungen auf die Höhe von Gipfeln wie Monte Viso, Gran Paradiso und Monte Rosa aufzusteigen. Dabei ist sehr viel Energie im Spiel, wodurch der immense Temperaturabfall für die Schneefälle sorgt. Das Mittelmeer ist noch relativ warm und die höher gelegenen Luftmassen dieses Sturms sind sehr kalt, was Montag für kalten Powder sorgt.

Von heute bis Mittwochabend schneit es kräftig. Im Schnitt könnt ihr mit 50 cm Schnee rechnen (auf 2000 m). Je höher ihr kommt, desto mehr Schnee findet ihr.

Top 10 Schneefälle auf 2000 m
Top 10 Schneefälle auf 2000 m

Sobald die Front die höchsten Gipfel überquert hat, wird nicht mehr viel Schnee fallen. Die Luft fällt ab, der Sturm wird nicht mehr gegen die Berge gedrückt und es hört auf zu schneien. Das ist auch die Erklärung warum es während dem Retour d’est zwar kräftig auf dem Gipfel des Punta Bagna in Valfréjus schneit, im Dorf jedoch kein Schnee fällt. Aus dem gleiche Grund könnt ihr den Fréjus Tunnel benutzen ohne Niederschläge auf der französischen Seite (Modane) zu sehen, dann jedoch in starken Schneefällen auf der italienischen Seite herauskommen (Bardonecchia). Das sind die Beispiele an denen klar wird, dass zwischen dem versprochenem Powderland und kosmetischen weißen Flächen oft nur ca. 15 Kilometer liegen können.

Das geschieht auch bei diesem Dump wieder am Monte Rosa. Zermatt befindet sich im Sturmschatten. Die Spitze des Klein Matterhorn erscheint auf unseren Schneekarten in Rot, doch es fällt deutlich weniger Schnee im Tal, als es auf der italienischen Seite der Fall ist. Auch im Skigebiet Monte Rosa können wir dieses Phänomen beobachten. Alagna im Osten bekommt deutlich mehr Schnee ab als Champoluc. Dieser Effekt tritt in den nächsten 72 Stunden an vielen Gebieten an der italienischen Grenze auf. Abriès in den Queyras bekommt viel Schnee ab, während Ceillac (mehr im Westen) weniger Schnee abbekommt.

Was sind die Folgen einer langsam ansteigenden Schneefallgrenze?

Leider steigt (wie so oft bei Dumps auf der Südseite der Alpen) auch diesmal die Schneefallgrenze nur sehr langsam an. Am Montag liegt sie auf 100-300 m, bis zum Mittwoch kommt sie auf 1200 m im Süden des Piemont an, im Norden auf 1600 m. Trockenen Schnee gibt es nur oberhalb von 1800 m. Das bedeutet, dass der Schnee unterhalb von 1500-1900 m bis zum Mittwoch sehr schwer wird. Die Sonne kommt jedoch heraus und in der Nacht auf Donnerstag wird der Himmel wolkenfrei. Somit kann die Feuchtigkeit aus der Schneedecke entweichen, Donnerstag und Freitag werden tolle Tage. Frischer Powder, trockene Luft, Sonne und nur wenig Leute in den Gebieten.

Mittwoch, Donnerstag und Freitag werden Powdertage

Am Dienstag fällt der meiste Neuschnee, am Mittwoch werden die Schneefälle weniger und die Sonne kommt evtl. heraus. Da die Wolken nicht mehr gegen die Berge gedrückt werden, kann es sein, dass in allen gebiet wo die Sonne herauskommt auch die Temperaturen ansteigen. Trotzdem kann man am Mittwoch exzellent powdern, der Donnerstag wird dennoch besser. Durch die Abstrahlung und die niedrigen Temperaturen wird Donnerstag der beste Powdertag, oberhalb von 1800 m. Da die Bäume im Piemont bis auf 2200 m hinaufreichen, könnt ihr sogar in den Wald fahren!
Am Freitag wird es auch sehr schön und es wird immer verlockender werden, auch die unverspurten Bergregionen zu erreichen. Denkt bitte daran, dass sich nordseitig Oberflächenreif gebildet hat, oder die Schneedecke durch den Wind angepresst wurde, sowie Schnee verfrachtet wurde. Das sind zwei ideale Bedingungen für Schneebretter, um auf diesen Schichten ins Rutschen zu geraten. Daher:

  1. Macht einen Lawinenkurs und bildet euch immer weiter.
  2. Geht nur mit LVS, Schaufel und Sonde los und kennt den Umgang damit.
  3. Lest den Lawinenlagebericht.
  4. Was sind die speziellen Gefahren in dem Gebiet in dem ihr euch befindet?
  5. Meidet Teile des Berges mit zu großem Risiko.

Wenn euch das nötige Wissen noch fehtl, dann meldet euch noch heute bei der Mountain Academy an!

Schnee für die Nordalpen an Weihnachten?

Es hat ein wenig geschneit, jedoch nicht viel. Nur etwa 1-5 cm sind auf der Nordseite der Alpen gefallen. Das erzeugt ein paar nette Webcam Bilder, doch für mehr reicht es leider nicht. Die Nordalpen brauchen dringend Schnee.

Warth-Schröcken
Warth-Schröcken

Sölden
Sölden

Hinzu kommt, dass solche geringen Schneefallmengen für die Schneedecke Gift sind, da viele dünne Schichten die Schneedecke instabil werden lassen. Es brauch große Schneefälle, damit im Norden der Alpen das Powdern möglich wird, davon ist auf dem Karten aber bisher keine Spur. Kurz nach Weihnachten ist ein kleiner Sturm erkennbar, doch solange der Jetstream soweit nördlich verläuft, ist es schlichtweg zu warm. Der Weihnachststurm sollte eigentlich eine Kaltfront Richtung Alpen bringen, mit Schnee bis tief in die Täler, doch diese Mengen Schnee sind auf den Karten noch nicht erkennbar.

Schnee zur Weihnachtszeit
Schnee zur Weihnachtszeit

Es wird wieder Zeit zu tanzen und zwar für die Nordalpen. Wenn ihr lieber powdern geht, dann springt in euer Auto und fahrt ins Piemont. Mittwoch, Donnerstag und Freitag werden großartig. Wenn ihr nicht im Nordwesten Italiens lebt, dann sind das die Wege dorthin:

  • Aus Frankreich (Norden): Fréjus tunnel. Nach dem Tunnel ist es nur eine Stunde bis Sestrière. Bis Oulx fahrt ihr Landstraße.
  • Aus Frankreich (Süden): Col de Montgenèvre oder Tende Tunnel. Montgenèvre ist leicht zu erreichen (bestimmt bereits gutter Schnee), doch je weiter östlich, desto mehr wird auch der Schnee. Abriès in den Queyras ist auch eine gute Option und weiter südlich könnte auch Isola 2000 eine gute Wahl sein.
  • Aus dem Wallis: Die Monte Rosa Region und Champorcher sind über den Simplon Pass oder der Tunnel de Grand-Saint-Bernard gut zu erreichen.
  • Aus dem Norden der Schweiz, Österreich oder Deutschland: Nutzt den Gotthardtunnel oder fahrt über den Brenner nach Mailand. Dann könnt ihr euch entscheiden, ob ihr ins nördliche Piemont (Monte Rosa) oder ins westliche Piemont (Sestrière) wollt. Es ist eine weite Fahrt, doch sie wird mit echtem Schnee, statt weißen Bändern belohnt.

Ihr kennt euch dort noch gar nicht aus? Kein Problem, stellt eure Fragen einfach über die Kommentarfunktion. Morgen weitere Infos!

Stay stoked. Morris


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