Lawine Steinberg (Engelberg)/Avalanche on the Steinberg Glacier(Engelberg)_Friday 5.2.


  • jakob.melchior
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    jakob.melchior op 8 Februar 2016 · 14:18
    English version below

    Am Freitag Nachmittag ist aufm der Steinberg Gletscher eine grosse (etwa 200m lang und unten 100m breit) Lawine mitten in der einfachsten der beliebten Freeride-Varianten abgegangen. Die Warnstufe war 3 mit heiklem Triebschnee. Kleinere spontane Rutsche sind den ganzen Tag über ab gegangen.

    Ausgelöst wurde die Lawine in dem kurzen, steilen (etwa 40°) Stück neben den Felsen (wahrscheinlich mit Triebschnee drin). Dann lief sie aber quer über den nicht sehr steilen Hang in dem es bestimmt schon 300 Spuren hatte (nur von dem Tag und der Titlis hatte erst 2h vorher geöffnet). Die Lawine hat sich wahrscheinlich spontan gelöst und dann drei Leute auf dem flacherem Hang darunter erfasst. Einer konnte raus fahren. Einer ist dank Airbag an der Oberfläche geblieben und einer wurde trotz Airbag ca. 1,5 m tief verschüttet konnte aber lebendig (bewusstlos) und ohne grosse Verletzungen geborgen werde.

    Das so eine grosse Lawine an der Stelle abgehen konnte hat mich persönlich überrascht und es ist sicher glücklich aus gegangen, da es an der Stelle leicht eine wartende Gruppe hätte erwischen können.
    Der eigentliche Grund warum ich den Bericht hier schreibe ist jedoch die Art und Weise wie die Suche abgelaufen ist.

    Wir waren zu dritt unterwegs und waren deutlich weiter oben als wir die Schneewolke der Lawine gesehen haben. Zu dem Zeitpunkt waren bestimmt 20-30 Leute zwischen uns und der Lawine. Wir sind trotzdem zur Lawine gefahren um zu schauen ob wir irgendwie helfen können.
    Was meiner Meinung nach aber einfach nicht sein darf ist, dass wir diejenigen waren welche den Kegel mit dem LVS anfuhren, den Heli riefen und den Verschütteten orteten obwohl wir erst 4-5 Minuten nach dem Abgang vor Ort waren.
    Während die LVS Suche lief sind zudem ständig Leute mit sendenem LVS in den Suchbereich rein gefahren. Es ging sogar soweit, dass eine Kollege von mir von einer Gruppe gefragt worden ist ob er ihnen zeigen könne wie sie ihr LVS umschalten.
    Das Leute in solchen Situationen verschieden reagieren mag sein aber bei sehr vielen Leuten vor Ort war direkt klar, dass sie nicht genug geübt haben um im Ernstfall gut reagieren zu können.

    Also Leute lest euch ein, geht üben und denkt die verschiedenen Szenarien durch! Nur so kann man im Ernstfall schnell und richtig reagieren trotz eventueller Panik.
    Das die Bergung eines einzelnen Verschüttetem in einem Gebiet wo es an die 50 potentielle Helfer gibt und dazu noch bei perfektem Wetter und ohne Gefahr von Nachlawinen um die 15 Minuten gedauert hat ist einfach ein Trauerspiel. Obwohl es glimpflich aus gegangen ist darf das einfach nicht sein. Ich will mir gar nicht ausmahlen was passiert wäre wenn es mehrere Verschüttete gegeben hätte.

    Gerade in Gebieten wie Engelberg kann man einfach viel zu viele Fehlverhalten sehen. Oft sieht man z.B. Leute ohne Rucksäcke auf dem Gletscher (und ich meine nicht ohne Airbags sondern komplett ohne Rucksack und wahrscheinlich auch ohne LVS).
    Während der Suchaktion ist ein Snowboarder angeblich gesehen worden wie er durch die Anrisskante der Lawine gefahren ist. Ein Bekannter hat ausserdem mit bekommen wie ein Bergführer protestiert hatte nachdem der Gletscher nach der Lawine von der Bergrettung gesperrt worden ist und er mit seiner Gruppe nicht mehr runter fahren durfte. Dies sind ja nur einzelne Beispiele und die meisten hier werden so was wahrscheinlich regelmässig sehen. Persönlich ist mir auch klar, dass riskante Hänge sehr viel schwerer zu vermeiden sind wenn der Rest schon zerfahren ist aber ich denke trotzdem solle jeder sein Verhalten und seine Entscheidungen regelmässig reflektieren sollte. Ich habe es jedenfalls nach den Ereignissen getan.


    [english version]
    Friday afternoon a huge avalanche (maybe 200m long and 100m wide) happened on the Steinberg glacier in Engelberg. The glacier run is very popular for Freeriding and the avalanche happened on the easiest/busiest variation oft he run). The avalanche danger was level 3 with drift snow. Some small, spontaneous slides happened throughout the day.

    The fracture started on the short, steep part next tot he rocks (there was probably drift snow in that slope). Thant he avalanche went sideways over the way shallower slope below. There were probably at least 300 tracks on that slope just from the same day with the gondola only running for 2 hours.
    The slide probably started without a skier triggering it.
    Three people on the slope below were caught by the avalanche with one being able to ski out, one stopped on top oft he snow thanks tot he airbag and the third was buried around 1,5 m deep even with the deployed airbag. He was rescued unconscious but without injuries.

    I was very surprised that such a large avalanche happened in that place and it was definitely lucky that no-one die das it easily could have buried a group waiting in the path.
    But the main reason why I am writing this report is how the search effort took place.

    I was skiing with two friends and we were way up higher on the face when we saw the snow cloud from the avalanche. At that point there were maybe 20-30 people between us and the avalanche. We skied tot he side anyway in case our help was needed.
    The fact that we were the first people skiing down the avi-path with our beacons, called the heli, located the buried person even though we only arrived maybe 4-5 minutes after is just bad.
    Even while the search with the beacons went on (to locate the buried person and look for others) people keeps skiing into the area with their beacons on „send“. A friend was even asked by a group if he could show them how to turn of their beacons.
    I know People reacted differently during accidents like this but it was just very apparent that a lot of these people just weren’t prepared.

    So please read up how to use the beacon, go out to practise and think through the possible scenarios to be able to react correctly even when in panic.
    The rescue, until the skiers head was freed, took maybe 15 minutes and that is just way too long considering there were maybe 50 people who could have helped and it was perfect weather and no risk of further slides. I am certain that people would have died if more than one person would have been buried.

    In addition I have to mention that a lot of bad behaviour can be seen on a daily basis with people skiing down the glacier without backpack (and I don’t mean without airbags but without a backpack and gear at all and probably without a beacon as well).
    During the rescue apparently someone was spotted snowboarding straight through the rupture edge where the avalanche had started. Also after the mountain rescue had closed the Steinberg glacier a guide protested that he and his clients should be allowed to ski down as he is a mountain guide. These are just a small sample of bad instances but they just accumulate more with more people freeriding. I know dangerous slopes are harder to avoid if the rest is tracked out so I think everyone should reflect on his decisions regularly and I sure did after what happened Friday.

  • -Patrick-
    Advanced
    -Patrick- op 8 Februar 2016 · 18:32
    Danke für deinen Bericht Jakob! Es ist schon sehr traurig wenn Ahnungslose sogar noch die Suchenden behindern.
    Es ist so wichtig immer wieder darauf hinzuweisen wie wichtig Erfahrung, Ausrüstung und Umgang damit ist. Ich habe mich aufgrund der Ereignisse vom Wochenende auch nochmal mit dem Faktor Mensch und Lawinen beschäftigt. Artikel in Kürze hier: http://wepowder.de/forum/topic/223244
    Share the Stoke and leave no harm, Together we watch out for our Home.

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