Wie gefährlich ist Stufe 3 (erhebliche Lawinengefahr) wirklich?

Wie gefährlich ist Stufe 3 (erhebliche Lawinengefahr) wirklich?

Für den Laien können die Stufen der Lawinengefahr schon etwas verwirrend sein. Stufe 3 von 5 klingt jetzt eigentlich nicht besonders gefährlich, oder? Es ist doch in der Mitte! Ihr könntet also davon ausgehen, dass es nicht sonderlich gefährlich ist abseits der Pisten zu fahren. Kommen wir direkt zur Sache: Gefahrenstufe 3 (erhebliche Lawinengefahr) kann gefährlich sein. Etwa 20% der Schneedecke haben Schwachstellen und spontane Lawinenabgänge von mittlerer Grüße sind möglich. Das Gewicht eines einzelnen Wintersportlers reicht bereits aus, um eine Lawine auszulösen. Also: Es kann auf jeden Fall richtig gefährlich werden. Wie kommt das?

Das Problem hängt mit den Absichten der Skala zusammen

Die Skala der Lawinengefahr hat zwei Absichten. Zum einen dient sie dazu, Gefahren für das öffentliche Leben zum Ausdruck zu bringen (Katastrophen-Lawinen, die Straßen, Brücken oder Ortschaften bedrohen), andererseits zeigt sie die Wahrscheinlichkeit von Lawinen in Skigebieten an, die Wintersportler bedrohen. Diese beiden Absichten sind in einer Skala vereint.

Stufe 4 (Groß) und Stufe 5 (Sehr groß) sind dafür gedacht, die Gefahr einer Katastrophen-Lawine anzuzeigen. Die Absicht dahinter besteht darin, den Behörden die Möglichkeit zum Handeln zu geben, wenn die Bevölkerung von den Auswirkungen einer möglichen Lawine betroffen sein könnte. Während dieser Gefahrenstufen als Skifahrer oder Snowboarder im Gelände unterwegs zu sein, ist keine gute Idee. Bei Stufe 5 (Sehr groß) sind in der Regel die meisten Skigebiete geschlossen, bei Stufe 4 (Groß) sind zwar einige Lifte offen, in der Regel jedoch nur an flachen Hängen, die nicht unterhalb steiler Hänge liegen. Wenn ihr bei Stufe 4 plant abseits der Pisten unterwegs zu sein, dann solltet ihr euch ernsthaft Gedanken machen, ob ihr nicht andere Pläne für diesen Tag machen solltet. Selbst den erfahrensten Freeridern fällt es an solchen Tagen schwer die richtige Line zu finden. 40% der Schneedecke sind dann als instabil einzustufen.

Gefahrenstufe 1 (Gering), 2 (Mäßig) und 3 (Erheblich) sind für Wintersportler gedacht, die abseits der Piste unterwegs sind. Im Prinzip hat die Gefahrenskala für Wintersportler also nur drei Stufen.

Die Meinung des SLF

Das Schweizer Institut für ‘Schnee- und Lawinenforschung’ (SLF) drückt das folgendermaßen aus:

Das Lawinenbulletin richtet sich an alle, die im winterlichen Gebirge in Beruf oder Freizeit der Lawinengefahr ausgesetzt, und/oder für die Sicherheit von Dritten zuständig sind. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Lawinendienste und Lawinenkommissionen von Gemeinden und Tiefbauämtern,
    Sicherungsdienste von Bergbahnen
  • Angehörige der Rettungsdienste, der Polizei sowie der Armee
  • Bergführer, Schneesportlehrer und Tourenleiter
  • Bewohner von Siedlungen in den Bergen
  • Ski- und Snowboardfahrer
  • Tourenskifahrer, Schneeschuhwanderer
  • Bergsteiger und Eiskletterer
  • weitere Schneesportler

Bei relativ stabiler Schnee- und Lawinensituation fallen die Hinweise für z.B. Skitourenfahrer ausführlicher aus als jene für die lokalen Lawinendienste. Ab Gefahrenstufe 3 (erhebliche Lawinengefahr) werden Empfehlungen für die Lawinensicherungsdienste häufiger. Vor allem bei sehr großer Lawinengefahr (Stufe 5), wenn Schneesportaktivitäten im freien Gelände ohnehin sehr eingeschränkt sind, fallen die Empfehlungen für die Lawinensicherungsdienste umfangreicher aus.

Die wichtigste Erkenntnis ist, dass es deutlich wird, wie gefährlich Stufe 3 (erhebliche Lawinengefahr) für Skifahrer und Snowboarder bereits ist. Vergesst nicht, dass in der Schweiz 54% der Unfälle bei dieser Stufe passieren. Laut dem SLF, beträgt das langjährige Mittel (20 Jahre) der Lawinenopfer in der Schweiz 23 Personen pro Jahr. Unfallanalysen zeigen, dass die meisten Lawinenopfer im „freien Gelände“ meist beim Ausüben ihrer Freizeitbeschäftigung mit Ski oder Snowboard, beim Bergsteigen o.ä. Schaden nehmen. Ihr Anteil bei den Todesopfern betrug zwischen 2002/03 bis 2011/12 über 90%. Von diesen lösten rund 90% die Lawine selbst aus oder diese wurde durch ein anderes Mitglied derselben Gruppe ausgelöst.

Anzahl der Opfer nach Gefahrenskala
Anzahl der Opfer nach Gefahrenskala

Wie gesagt, die Skala der Lawinengefahr kann ziemlich verwirrend sein. Ganz besonders dann, wenn ihr keine Experten seid. Wenn ihr nicht über das entsprechende Wissen verfügt, oder euch nicht sicher sein könnt, dass ihr in der Lage seid die richtigen Entscheidungen abseits der Pisten zu treffen: Bucht einen Guide! Wenn ihr bereit seid selbst mehr über die Gefahren beim Skifahren und Snowboarden im freien Gelände zu lernen und die Risiken in den Griff zu bekommen: Seht euch die Mountain Academy genauer an.

Haas
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